Geschichte, die plötzlich zum Greifen nah ist: Am 26. Mai verwandelte das Landestheater Niederösterreich die Aula des BG Horn in einen historischen und zugleich erschreckend aktuellen Schauplatz. Auf dem Spielplan stand eine packende Inszenierung rund um Sophie Scholl – eine der mutigsten Figuren des deutschen Widerstands gegen den Nationalsozialismus.
Klassenzimmertheater: Unmittelbare Nähe statt großer Distanz
Ohne die schützende Distanz einer klassischen Bühne agierte die Schauspielerin Bettina Kerl direkt auf Augenhöhe mit dem Publikum. Diese besondere Intimität sorgte dafür, dass die Jugendlichen das Geschehen nicht nur konsumierten, sondern emotional tief berührt wurden. Das Stück „Name: Sophie Scholl“ verschränkt virtuos die Biografien der historischen und der heutigen Sophie. In dem Solostück verkörpert Bettina Kerl eine moderne Jus-Studentin, die im Schulalltag (z. B. in der Bibliothek) mit dem historischen Erbe der Widerstandskämpferin konfrontiert wird.
Die Brücke in die Gegenwart
Die Jugendlichen lernten schnell, dass die Themen von damals nichts an Aktualität verloren haben. Im Fokus der Nachbereitung stand im Anschluss an die Aufführung die Frage, was Zivilcourage und Mut in der heutigen Gesellschaft bedeuten. Die innere Zerrissenheit, aber auch die unerschütterliche Entschlossenheit der jungen Widerstandskämpferin der „Weißen Rose“ wurden im Raum fast greifbar.
Mut als tägliche Entscheidung
Wo fängt Unrecht an und wie reagiert man, wenn im Alltag, auf dem Schulhof oder in den sozialen Medien Ausgrenzung passiert? Die Schülerinnen und Schüler erkannten, dass Mut keine Eigenschaft ist, die nur in Geschichtsbüchern existiert, sondern eine tägliche Entscheidung im Kleinen bleibt. Zivilcourage bedeutet oft schon, die Stimme zu erheben, wenn andere schweigen. Für die 4. Klassen war dieser Vormittag eine wegweisende Lektion in Demokratie und Menschlichkeit.
Text: Petra Tischler
Fotos: Liesa Roithner-Luckinger